Isabella Zins: Erfolgreiches Lehren: eine Sache der Haltung… …. auf Basis guter Rahmenbedingungen!

Wolfgang Türtscher, 26.04.2017

Alles auf Schiene an Österreichs Schulen: Die organisatorischen Hürden des Schulbeginns, der oft noch Planungsänderungen erforderlich macht, sind genommen. Österreichs LehrerInnen sind nach Erholung und Vorbereitungen im Sommer wieder mitten im Geschehen und damit beschäftigt, jungen Menschen gute Allgemeinbildung zu vermitteln und sie gleichzeitig aufs Leben und auf interne und externe Tests und Prüfungen vorzubereiten. Illusorisch zu glauben, dass der Weg schnurstracks zum Ziel führt. Im Auf und Ab des LehrerInnen-Alltags sind die Herausforderungen vielfältig.Oft genug liegt der Fokus mehr auf Erziehungsaufgaben als auf dem Lehren und Begleiten von Lernprozessen. Das gehört unbestritten zum Job. „Ja, aber…!“ werden hier viele KollegInnen einwenden, die während ihres Studiums kaum auf ihre Erzieher-Rolle vorbereitet wurden. Tatsache ist: Fachexperte bzw. Fachexpertin zu sein, reicht bei weitem nicht. Erfolgreich als LehrerIn ist, wer Haltung zeigt und niemals aufhört, über seine Pädagogenrolle zu reflektieren. Auf Unterstützung bei seinem Tun darf er dabei kaum hoffen: In der TALIS-Studie der OECD war 2007 schwarz auf weiß nachzulesen: Österreich belegt, was die Ausstattung der Schulen mit Unterstützungspersonal betrifft, den letzten Platz unter 23 teilnehmenden Staaten. Ob sich daran seither etwas geändert hat? Das können wir nicht wissen, denn „aus Kostengründen“ ließ die damalige Unterrichtsministerin Österreichs Teilnahme an der Studie nach dem verheerenden Ergebnis auslaufen.

Wie umgehen mit verbesserungswürdigen Rahmenbedingungen?

Österreichs LehrerInnen arbeiten meist nach dieser Devise: „Machen wir das Beste daraus!“  Zum Glück für Eltern und Schulkinder, nicht immer zum eigenen Wohle. Denn zunehmend fühlen sich Österreichs Lehrkräfte dem psychischen Druck, den ihr Beruf mit sich bringt, nicht mehr gewachsen. Wo liegt die goldene Mitte zwischen Sich-auf-SchülerInnen-Einlassen und Sich-Abgrenzen, zwischen Überengagement und „Dienst nach Vorschrift“? Einige Beiträge in dieser Ausgabe der VCL-News liefern Anregungen zu einem gesundheitsfördernden Berufsverständnis, wie wir es alle brauchen, um jahrzehntelang in unserem Beruf erfolgreich sein zu können. Das Projekt „Denkanstöße“ von Prof. Uwe Schaarschmidt ist ein Unterstützungsprogramm für Schulen, das auf den Ergebnissen der Potsdamer Lehrerstudie (2005) fußt. Unabhängig von äußeren Rahmenbedingungen sollen Schulen dabei begleitet werden, ihr eigenes Potenzial für die Gestaltung günstigerer Arbeitsbedingungen und die Reduzierung beruflicher Belastungen zu heben. Vieles lässt sich am Standort bewirken, wenn möglichst alle an einem Strang ziehen. Ein wichtiger Schlüssel zur erfolgreichen Arbeit an jedem einzelnen Standort sind die Beziehungen der Lehrenden vor Ort, ihre Einstellung zum Unterricht, ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit, ihre Haltung gegenüber den Kindern und Jugendlichen, ihr tagtägliches Engagement in der Klasse und außerhalb des Unterrichts.

Programme wie dieses entheben natürlich weder die Bildungspolitik ihrer Verantwortung für die gesetzlichen Rahmenbedingungen von Schule noch die Gewerkschaft ihrer wichtigen Aufgabe, sich für Verbesserungen des Systems und der Arbeitsbedingungen von LehrerInnen einzusetzen.

Bewusst nenne ich als Verantwortliche Politik UND Gewerkschaft, auch wenn in den letzten Wochen von Seiten des Instituts für Höhere Studien (IHS) gefordert wurde, der Lehrergewerkschaft die Mitgestaltungsmöglichkeit bei schulorganisatorischen Angelegenheiten zu verbieten.  Erfreulich, dass auf diesen Vorstoß nicht nur die Gewerkschafter selber mit Empörung und Unverständnis reagierten, sondern „unverdächtige“ Wissenschafter wie der bekannte österreichische Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier, der das IHS heftig kritisierte: „Wenn eine von der österreichischen Bundesregierung finanzierte Forschungseinrichtung sich aber für die Einschränkung von Rechten einer Einzelgewerkschaft stark macht und damit am sozialpartnerschaftlichen Grundkonsens dieser Republik rührt, darf Zweifel daran erlaubt sein, ob diese noch neutral genug ist, um finanzielle Förderung aus dem gemeinschaftlichen Steuertopf empfangen zu dürfen.“ (Mail vom 22. 9. 2016 an Eckehard Quin: „Antigewerkschaftlicher Feldzug der Wissenschaft. Warum das IHS die Mitbestimmungsrechte der Lehrergewerkschaft abräumen will). 

Wider die innere Emigration – für Engagement in und außerhalb der Schule

 

Viele KollegInnen an den Schulen bekommen Diskussionen wie diese, scheint mir, gar nicht mit: Weil sie generell über „die Politik“ frustriert sind und deshalb auch den politischen Diskurs über die sie direkt betreffenden Themen Schule und Bildung gar nicht mehr hören (wollen). Weil sie so ausgelastet sind, dass neben den Routinearbeiten kaum Zeit bleibt, politisch auf dem Laufenden zu sein. Weil sie resignieren angesichts der von oben verordneten Reformen, aus denen sie dann nolens volens am Standort das Beste machen müssen, und daher auch die regelmäßigen Informationen der Standesvertretung nicht lesen.  Ein gefährlicher Trend: Stell dir vor, das Bildungssystem kollabiert und keiner ist mehr imstande, den Patienten fit zu bekommen! Wenn die im Bildungswesen Beschäftigen selber nicht mehr an das Gesundheitspotenzial ihres Systems glauben, haben Manipulation und Gehirnwäsche gesiegt. Das dürfen wir nicht zulassen! Vereinter Einsatz wäre vonnöten – doch es ist heutzutage kaum mehr üblich, sich einer (LehrerInnen-)Organisation (wie der VCL z.B.) anzuschließen. Der Einzelne vermag jedoch nichts gegen eine Maschinerie, die seit Jahrzehnten Fakten aus Studien nur dann medial verbreitet, wenn sie politisch opportun sind und das vielfältige österreichische Schulsystem in Misskredit bringen.

Aus meiner langjährigen Erfahrung als Lehrerin, Direktorin und standespolitisch Engagierte kann ich jungen KollegInnen nur raten, sich zu informieren und zu engagieren. Aktive Mitgestaltung in der Schule stärkt die eigene Position im Kollegium sowie bei den SchülerInnen und hebt das Selbstwertgefühl. Jammern im stillen Kämmerlein hilft niemandem, im Gegenteil: Die innere Emigration setzt eine Abwärtsspirale in Gang und schlägt sich aufs Gemüt! Eine viel bessere Strategie ist es aus meiner Sicht, bestmögliche Arbeit zu leisten und damit zu zeigen, wie gut Schule funktionieren kann: Gutes Feedback von SchülerInnen und Eltern sowie der gute Ruf einer Schule mit vielen engagierten Lehrkräften sind der beste Beweis, dass sich der Einsatz lohnt, für die Institution Schule und auch für einen selbst, weil positives Feedback „beflügelt“. Andererseits halte ich auch viel vom „Blick über den Tellerrand“ und vom Engagement in der Standesvertretung. Konstruktives Mitdiskutieren, die Verbreitung der korrekten - weil sorgfältig recherchierten - Daten und Fakten sowie Vorschläge zur Systemverbesserung können sehr wohl etwas bewirken. Das zeigt das erfolgreiche Engagement unserer beiden prominentesten AHS-Standesvertreter auf eindrucksvolle Weise: Ich danke an dieser Stelle dem ZA- und ÖPU-Vorsitzenden Mag. Gerhard Riegler, und dem Gewerkschaftsvorsitzenden Mag. Eckehard Quin, für ihr unermüdliches Wirken und die gute Zusammenarbeit! Mögen viele KollegInnen Tag für Tag zeigen, was unsere Schule, speziell unser Gymnasium, vermag! Mögen wir alle gemeinsam dazu beitragen, dass falsche Behauptungen in Medien oder von „Bildungsexperten“ nicht mehr durchdringen, weil sich die echten Fakten durch unser aller Zutun verbreiten!

Ich wünsche allen KollegInnen viel Engagement und Erfolg im neuen Schuljahr!

Mit besten Grüßen Isabella Zins, VCL-Obfrau Österreich

 

  • (15.03.2016)

    Wir laden alle unsere Mitglieder und Unterstützer ein, die Petition "Die Mitspracherechte der Schulpartner/innen müssen erhalten bleiben!" zu unterschreiben.

    (Zur Petition)

  • (09.12.2015)

    Der Vorstand der Bildungsplattform ruft die Mitglieder des Vereins auf, dem Verein "pro Gymnasium" ebenfalls als Mitglieder beizutreten.