Wertschätzung statt PISA-Hysterie

Günter Schmid, 03.12.2019

Österreichs Bildungswesen braucht endlich mehr wertschätzende Unterstützung!

Der Vorsitzende der Bildungsplattform „Leistung & Vielfalt“ Dr. Günter Schmid stimmt dem renommierten österreichischen Bildungsforscher Univ.-Prof. Dr. Stefan Hopmann zu, wenn dieser von PISA als „statistischem Voodoo“ spricht.

Unsere Gesellschaft erliegt immer mehr einem Rankingwahn, der offensichtlich auch vor der Schule nicht Halt macht. Ein Mangel an Wertschätzung macht sich breit, Pädagoginnen und Pädagogen fühlen sich von der Gesellschaft im Stich gelassen.

Niemand käme auf die Idee, einen Schiläufer für unfähig zu erklären, wenn er bei einem Abfahrtsrennen mit 4 Hundertstelsekunden Rückstand auf dem 5. Rang landet. Bei PISA wird hingegen aus statistischem Voodoo ein Urteil über die Qualität von staatlichen Systemen abgeleitet.

Tatsächlich signifikant vorne – um beim Vergleich mit dem Schirennen zu bleiben im Bereich eines 2-Sekunden-Vorsprungs – liegen in allen Testbereichen zwei von der chinesischen Staatsführung handverlesene Provinzen und die Städte Shanghai und Peking, die für die Volksrepublik am PISA-Test teilgenommen haben. „Chinesische Drillschulen als pädagogischer Masterplan, das kann wohl kaum der Weisheit letzter Schluss sein“ meint Dr. Günter Schmid dazu wörtlich.

Viel zu lange ist Österreichs Schulpolitik von sinnlosen Gesamtschuldebatten blockiert und gelähmt worden, und PISA wird den üblichen Verdächtigen der linken Gesamtschullobby wohl wieder Anlass bieten, die Forderung nach der Abschaffung der Langform des Gymnasiums zu erheben.

Dabei zeigt PISA tatsächlich auf, dass es gerade im Bereich der Begabtenförderung hierzulande besonders hapert. Österreich hat eine viel zu dünne Spitze, die dringend auf entsprechende Förderangebote wartet. „Was Freude an der Leistung, was Leistungsorientierung anlangt, liegen wir tatsächlich im internationalen Vergleich im Schlussfeld“, so Günter Schmid wörtlich. Norwegen interpretiert übrigens laut Univ.-Prof. Dr. Stefan Hopmann die PISA-Resultate als „Handlungsauftrag in Richtung mehr Differenzierung“ anstatt Gleichmacherei.

Nicht zu unterschätzen sind auch die Kollateralschäden der PISA-Hysterie für all jene Fächer, die nicht in PISA abgetestet werden. Professor Hopmann meinte dazu im KURIER-Interview wörtlich: „Es leiden die Fächer, die nicht getestet werden, da sie weniger Aufmerksamkeit bekommen. Es geht nur mehr drum, für den PISA-Test besser zu werden. Aus meiner Sicht sollten wir den Test bleiben lassen.“ „Und was vor allem leidet“, ergänzt Schmid, „ist der für eine pädagogische statt einer wirtschaftsorientierten Sicht auf das Bildungswesen viel wichtigere Blick auf das Persönlichkeitswachstum der Hauptbetroffenen: der Schülerinnen und Schüler.“

„Es ist höchste Zeit, die PISA-Hysterie zu beenden und ins verantwortungsvolle Handeln zu kommen. Wir brauchen dringend eine tatsächliche Offensive im Bildungswesen mit mehr Wertschätzung im materiellen und immateriellen Wortsinn“, appelliert der Vorsitzende der Bildungsplattform „Leistung & Vielfalt“ abschließend an die politischen Verantwortungsträger.

  • (17.12.2018)

    Wir empfehlen die Unterzeichnung folgender Online-Petition: https://www.openpetition.eu/at/petition/online/fuer-eine-qualitative-lehramtsausbildung