Kampf für Leistung und Vielfalt

Günter Schmid, 27.09.2012

Erfolge und Bedrohungen

(Vortrag im Rahmen der Jahreshauptversammlung am 27. 9. 2012)

Themenüberblick:

Fragestellung:

Lohnt es sich, für Leistung und Vielfalt zu kämpfen? Sind Leistung und Vielfalt positive Begriffe?

1) Leistungsbegriff, der sich am Menschen und nicht an der Gesellschaft orientiert

2) Vielfalt als positiver Wert („Buntheit“), als die „Sonnenseite“ der Heterogenität

3+4) Erfolge, Bedrohungen

5) Konsequenzen für den Verein

Ad 1) Leistung

 Leistung ist nicht per se ein positiver Begriff (man kann auch Sinnloses „leisten“, z.B. der Stratosphärensprung von Herrn Baumgartner; oder ethisch Fragwürdiges, z.B. die nicht zuletzt auch durch steuertechnische „Tricks“ angehäuften Millionenvermögen der ehemaligen Finanzminister Androsch und Grasser).

 Zu etwas eindeutig Positivem wird Leistung erst durch eine Orientierung auf Werte hin.

 „Werte“ sind für manche (Linke) suspekt, weil sie Ideologien im Wege stehen können.

 Auch ethisch einwandfreie und ideologisch unverdächtige Werte können unter verschiedenen Blickwinkeln gesehen werden.

 Z.B.: Ist es (aus schulischer Sicht) ein schon ein hinreichender Wert, durch die Vermittlung von Fachkompetenzen „funktionierende Instrumente“ zum Nutzen der Gesellschaft auszubilden, oder kann man von einem „Wert“ erst sprechen, wenn als Steigerung zur Fachkompetenz die „personale“ Kompetenz hinzukommt, das Gelernte mit sich selbst in Beziehung zu setzen, für sich zu deuten, zu be-Wert-en, in den eigenen Lebenskontext einzuordnen und für eine Sinn- und Wert-volle Gestaltung des eigenen Lebens anzuwenden (= „Bildung“).  Im Gegensatz zu bloßer Ausbildung kommt Bildung in Form von „Humankompetenz“ (soziale + reflektive + ethische Kompetenz) zunächst unmittelbar dem betroffenen Menschen selbst zugute („lebensgestaltendes Lernen“), in weiterer Folge aber auch mittelbar der Gesellschaft, der Gestalter durch ihr aktives Mitdenken, kreatives Querdenken und ethisches Vordenken wertvollere Dienste leisten als „brave“ Vollzugsorgane.

 Beides – Ausbildung ebenso wie Bildung – wird gebraucht; aber nicht für jeden ist beides gleichermaßen erreichbar oder auch nur anstrebenswert (der Mensch beginnt nicht erst beim Maturanten oder gar beim Akademiker – siehe die Zahl an arbeitslosen Akademikern in vielen Gesamtschulländern).

 Jeder muss aber die Freiheit der Wahl haben, auf welchem der beiden Wege er seine Selbstverwirklichung und Erfüllung suchen will. Daher brauchen wir ein duales System mit (gleich wichtigen aber getrennten) Institutionen, die sich jeweils auf eine der beiden Aufgaben bestmöglich konzentrieren können.

 Im Konflikt zwischen den Werten der Freiheit und der Gleichheit muss allein schon deshalb der Freiheit der Vorrang eingeräumt werden, weil es zwar „gleiche Freiheit“ für alle geben kann und soll, aber niemals „frei(willig)e Gleichheit“.

Ad 2) Vielfalt

 Die von der Natur vorgegebene - und damit unbestreitbare - Unterschiedlichkeit der Menschen sollte man nicht als etwas Negatives ansehen, sondern unter dem positiven Aspekt der „Vielfalt“ als etwas erkennen, was unser Leben bereichert – sofern wir vernünftig damit umgehen.

 Ein vernünftiger Umgang etwa mit der Vielfalt an Interessen, Lernstilen, Motivations- und Attributionsmustern sowie Persönlichkeitsmerkmalen wie Arbeitsverhalten, Frustrationstoleranz, Ehrgeiz etc., aber auch mit der großen Bandbreite der unterschiedlichen Leistungsfähigkeit individueller Lernender manifestiert sich im altbekannten Prinzip der Differenzierung

 Dass diese unter dem Etikett der „Binnendifferenzierung“ als „innovative Erfindung“ der NMS oder gar als Spezifikum der Gesamtschule gehandelt wird, entlarvt die Ahnungslosigkeit unserer so genannten „Bildungsexperten“

 In der von Armin Hackl beschriebenen „Schule der Person“ werden das organisatorische Instrument der Differenzierung und das methodische Instrument der Individualisierung, die längst zum Gemeingut der wirklichen Experten (= der Praktiker) geworden sind, weitergedacht zum Prinzip der Personalisierung.

 Indem „das individuelle Kind, der einmalige Heranwachsende zum Bezugspunkt des pädagogischen Denkens und Handelns in Erziehung, Unterricht und Schule“ (Weigand) wird, gilt für alle Jugendlichen das gleiche Recht auf die jeweils optimale, begabungsadäquate Förderung (= richtig verstandene „Inklusion“, im Gegensatz zu deren Missdeutung als „Recht aller auf gleiche Förderung“)

 Eine solche „Schule der Person“ als pädagogisches Paradigma ist prinzipiell  in jeder Organisationsform möglich. Aber es liegt auf der Hand, dass unterschiedliche Potentiale, um bestmöglich gefördert zu werden, unterschiedlicher Umgebungen und differenzierter Anforderungen bedürfen.

 Von nicht minder großer Bedeutung ist auch das möglichst frühzeitige Einsetzen einer begabungsgerechten Differenzierung, da jede Verzögerung nachhaltige negative Konsequenzen auf allen Leistungsstufen nach sich zieht.

Ad 3) Erfolge

 Sicherung des Gymnasiums

 Weitgehende allgemeine Anerkennung des Prinzips der Begabungsförderung

 Allmählich zunehmende „Salonfähigkeit“ des Elitebegriffs (im Sinne einer Leistungselite)

 (Aus der Sicht der Bildungsplattform:) Mithilfe bei der Enttarnung des Volksbegehrens durch Information, Meinungsbildung, Teilnahme an öffentlichen Diskussionsveranstaltungen und Streitgesprächen, zahlreiche Interviews, deutliche Medienpräsenz (manchmal sogar unparteiische bis hin zu intelligenter Berichterstattung), knapp 3000 deklarierte Unterstützer, über 80 Vereinsmitglieder, ...

 Namhafte Gesinnungsgenossen zumindest in wichtigen Teilaspekten (Hopmann, Hengstschläger, Lissmann, einzelne Journalisten, Minister Töchterle und einige weitere Politiker,…)

Ad 4) Bedrohungen

 Die so genannte “Bildungs“-Ministerin

 Selbsternannte „Bildungsexperten“ vom Schlage eines Androsch, Schilcher, Platter, …

 Die permanente Berieselung einer lehrerfeindlichen Öffentlichkeit mit Desinformation, falschen Zahlen und Halbwahrheiten durch den ORF und die meisten Pressemedien (z.B. die Veröffentlichung statistischer Daten über unerfreuliche Aspekte wie Nachhilfe, Schulabbruch u.ä. ohne vergleichenden Hinweis etwa auf den – viel schlechteren - OECD-Durchschnitt)

 Die Minderheit der wirklich schlechten Lehrer, die diese Berichterstattung scheinbar bestätigen

 Feige Direktoren, die aus Bequemlichkeit mit dem Strom schwimmen

Ad 5) Konsequenzen für den Verein

 Stärkere Präsenz in der Bildungsdiskussion als „Stimme der Vernunft“

 Entwicklung und Weitergabe konkreter Konzepte für eine „Schule der Person“

 Verstärkte Informationsoffensive

 Vernetzung aller „Kräfte des guten Willens“

 …

  • (17.12.2018)

    Wir empfehlen die Unterzeichnung folgender Online-Petition: https://www.openpetition.eu/at/petition/online/fuer-eine-qualitative-lehramtsausbildung