Unser Schulsystem

Günter Schmid, 19.11.2011

„Unser Schulsystem ist nicht so schlecht, wie es dargestellt wird, aber auch nicht so gut, wie es sein könnte.“

Vortrag, gehalten am 19. 11. 2011 im Lannersaal des Wiener Rathauskellers, veröffentlicht in VCL-News Nr. 4, Dezember 2011

Ich habe nicht vor, schönzureden, was verbesserungswürdig ist, obwohl – wenn man sich den vom Wiener Stadtschulrat verbreiteten „Wiener Schulführer“ ansieht – die Wiener Schulszene durchaus den Anschein erweckt, als wäre sie ohnedies das pädagogische Schlaraffenland. Denn so gut wie jede Schule rühmt sich dort eines „begabungsfördernden Schwerpunkts“.
Allerdings führt sich hier die viel besungene Wiener Traumwelt wieder einmal selbst ad ab-surdum: denn während auf der einen Seite „zur größeren Ehre Wiens“ amtlicherseits der Eindruck erweckt wird, Wien wäre geradezu der Nabel der pädagogischen Welt, beweist die Alltagsrealität verzweifelnder Lehrherrn und Arbeitgeber, dass das exakte Gegenteil der Fall ist. Nirgendwo in Österreich ist der Prozentsatz an Lehrlingsanwärtern, die deshalb unbrauchbar sind, weil sie die elementaren Kulturtechniken des sinnerfassenden Lesens und der Grundrechnungsarten nicht beherrschen, größer als in Wien.

Fairerweise muss eingeräumt werden, dass dafür nicht allein - möglicherweise nicht einmal federführend - die Politiker verantwortlich sind. Die Situation in Wien mit seinem Migrantenanteil von weit über 30% lässt sich mit jener im vielgerühmten Finnland mit seinen 2% Migranten, die noch dazu überwiegend aus den bildungsaffinen Mittel- und Oberschichten der baltischen Nachbarländer stammen, schlicht nicht vergleichen.

Aber genau dieser unprofessionelle Vergleich von Äpfeln mit Birnen wird von den selbsternannten linken „Bildungsexperten“ permanent dazu missbraucht, um dem einfachen Volk „nachzuweisen“, dass wir ein Bildungssystem brauchen, das zwar im zitierten Finnland dank optimaler Rahmenbedingungen (kleine Gruppengrößen, jede Menge Unterstützungspersonal für die Lehrer, wie Psychologen und Freizeitbetreuer - alles Dinge, von denen wir nur träumen können) mit guten PISA-Werten punkten kann, das aber etwa in unserem Nachbarland Deutschland, wo mit den unseren vergleichbare Verhältnisse herrschen, jene Bundesländer, die dieses System eingeführt haben (wie z.B. Nordrhein Westfalen) gegenüber jenen, die ein gegliedertes System wie jenes in Österreich beibehalten haben (wie z.B. Bayern), in einen unaufholbaren Rückstand versetzt hat; einen Rückstand, der selbst eingefleischte SPD-Politiker wachgerüttelt hat. (Zitat Univ. Prof. Dr. Jürgen Zöllner, Kultusminister Berlins, SPD, in einer Presseaussendung vom 25. Mai 2011: „Die optimale Förderung jedes Einzelnen ist zentral, für die schwächeren Schüler und für die besonders Begabten. Deshalb bekenne ich mich auch zum Ausbau der Gymnasien.“ Und an anderer Stelle: „Neben den erfolgreichen Gymnasien muss eine zweite Säule geschaffen werden, die differenzierte Angebote für die unterschiedlichen Begabungen der Schülerinnen und Schüler macht.“)

In Wien sind ca. drei Viertel der Gymnasien de facto Gesamtschulen – einfach deshalb, weil genau jene „zweite Säule“ fehlt, von der Zöllner spricht: ein differenziertes, adäquates Bildungsangebot auch für Migranten- und sonstige benachteiligte Kinder z.B. in der Form eigener Schulen oder zumindest Klassen, in denen diese behutsam und ohne Gesichtsverlust an die Erfordernisse jener Gesellschaft herangeführt werden können, in der sie dereinst eine glückliche und erfolgreiche Zukunft aufbauen sollen. Aber statt eines Ausbaus der Vielfalt, wie sie in unserem darum zu beneidenden Nachbarland ein intelligenter SPD-Politiker angesichts eines nachgewiesenen Defizits von 14-jährigen Absolventen der Gesamtschule in Berlin gegenüber gleichaltrigen Gymnasiasten in Bayern immerhin als schulpolitischen Imperativ erkannt hat, wird bei uns das Volk mittels medialen Trommelwirbels dazu vergattert, zu „begehren“, dass die schon derzeit nicht ausreichende Vielfalt des Angebots noch einmal reduziert wird, und zwar auf einen für alle verpflichtenden Eintopf – d. h., genauer gesagt, nicht wirklich für alle, sondern nur für all jene, die sich nicht wie der Multimillionär Androsch für ihren Nachwuchs eine teure Privatschule leisten können oder wollen. Die neuerdings in der Bundeshymne besungenen „großen Söhne und Töchter“ der Reichen sind nach diesem Modell offenbar dazu auserkoren, ihren elitären Status ohne störende Konkurrenz aus dem „einfachen Volk“ zu genießen. Für den Rest der 14-Jährigen soll nämlich gelten, dass sie, aufbauend auf einem gegenüber dem derzeitigen Zustand dramatisch abgesenkten Ausgangsniveau, von überforderten Oberstufenformen zu einer Reifeprüfung (möglichst „für alle“!) geführt werden, die schon jetzt von unseren Universitäten (die ihrerseits nicht einmal in Sichtweise inter-nationaler Spitzenpositionen angesiedelt sind) teilweise nicht mehr als ausreichendes Qualifikationskriterium anerkannt werden.

Dass ein derartiges Klassensystem dem Großindustriellen Androsch zu Gesicht steht, ist nachvollziehbar: sein eigenes Doktorat hat er längst in der Tasche und in Zeiten erwerben dürfen, in denen die Welt noch halbwegs heil war; in denen das Bildungswesen noch nicht durch die dafür zuständige Ministerin existenziell bedroht war. Und seinen jüngsten (uneheli-chen) Sohn hat er in einer teuren konfessionellen Privatschule vor allfälligen schädlichen Folgewirkungen seines eigenen Volksbegehrens rechtzeitig in Sicherheit gebracht. Heute wissen wir, dass er sich diese Angst ersparen hätte können. Denn Gott sei Dank hat sich das österrei-chische Volk als intelligenter erwiesen, als er und andere abgehalfterte Altpolitiker vom Schlage eines Herrn Schilcher sich dies zwecks leichterer Durchsetzung ihrer ideologischen Ziele gewünscht hätten.

Trotzdem kann man dem so kläglich gescheiterten Volksbegehren eine gewisse Nützlichkeit insofern nicht ganz absprechen, als es die Aufmerksamkeit einer ansonsten eher mäßig inte-ressierten Öffentlichkeit auf das Bildungswesen gerichtet hat. Und ein beträchtlicher Teil der Forderungen – wie z.B. jene nach einer Entbürokratisierung des Schulwesens oder einer Sen-kung der Klassenschülerzahlen und einige andere mehr – waren, wenn auch redundant, weil seit einem Jahrzehnt ebenso lautstark wie erfolglos von der Lehrervertretung erhoben, so doch immerhin sachdienlich und verdienen jedenfalls unser aller Unterstützung.

Anstößig, weil den politischen Anstand verletzend,  war - neben der Verschleierung der wah-ren ideologischen Zielsetzung und dem Verstecken der eigentlichen Kernforderungen (Ent-mündigung der Eltern durch Vergewaltigung aller zur zwangsverpflichtenden ganztägigen Gesamtschule) hinter „No-na-Forderungen“, denen kein vernünftiger Mensch widersprechen kann - die Tatsache, dass Androsch das Volk mehrfach belogen hat: entweder bewusst, oder weil er Zahlen nicht interpretieren kann. Letzteres sollte man zwar bei einem ehemaligen Fi-nanzminister eher nicht annehmen (wenngleich sich bei Betrachtung seiner seinerzeitigen Bi-lanz dieser Theorie durchaus einiges abgewinnen lässt: der gute alte Kreisky wusste schon, was er tat, als er ihn in die Wüste jagte). Trotzdem tendiere ich zur erstgenannten Deutung, jeder der bewussten Lüge: Herr Androsch ist nämlich zu weltmännisch, um über die echten Zahlen nicht informiert zu sein, und zu intelligent, um sich nicht einen Reim darauf machen zu können.

Um mich jetzt nicht der gleichen Demagogie schuldig zu machen wie die Initiatoren des Volksbegehrens und einfach unbewiesene Behauptungen aufzustellen, möchte ich Ihnen eini-ge von Androsch und Konsorten z.T. verheimlichte, z.T. in volksverdummender Weise fehlin-terpretierte Zahlen einfach unkommentiert zur Kenntnis bringen und Sie einladen, sich Ihren eigenen Reim darauf zu machen.

Der eigentliche Ausgangspunkt des Volksbegehrens war Androschs gebetsmühlenartig wie-derholte Formel, dass Österreich „eines der teuersten und zugleich ineffizientesten Schulsys-teme“ besitzt.

Hier die Zahlen: Österreich wendet 5,4% des BIP für Bildung auf, im OECD Durchschnitt sind es 5,7%.
Man könnte durchaus argumentieren, dass 5,4% zu wenig sind. Aber die Androsch-Behauptung ist einfach eine Lüge.

Die Klage über die „Ineffizienz“ unseres Bildungssystems stützt sich auf die wahrlich nicht berauschenden PISA-Ergebnisse. Nun sind diese aber nicht kritiklos als Abbild der Qualität unseres Bildungswesens zu sehen. Sie gehen von einem unzuständigen Auftraggeber aus (der Wirtschaftsorganisation OECD), sie messen Unwesentliches (die Reproduzierbarkeit von ein-gelerntem Fachwissen) und sie werden - zumindest in Österreich - bewusst falsch interpretiert, indem die wirklich aussagekräftigen Detailergebnisse verschleiert werden, weil sie den ideologischen Intentionen der Auftraggeber widersprechen. (Nachzulesen sind diese nie ver-öffentlichen Detailergebnisse z.B. unter der Adresse www.bildung-statistik.at.) Hier die Zahlen:

Indem man nur das österreichische Gesamtergebnis (in seiner ganzen Bandbreite von den Sonderschulen bis zur AHS) veröffentlicht und bewusst verheimlicht, wie z.B. die gymnasiale Unterstufe im Vergleich zur Sekundarstufe I in Finnland abschneidet, erweckt man den Ein-druck, dass unser „ganzes System“ ineffizient sei und daher das finnische Gesamtschul-System als Vorbild zu gelten habe. Darüber seien sich ja auch „alle Experten“ einig. Die di-vergierenden Aussagen der  anerkanntesten österreichischen Bildungswissenschaftler wie Stefan Hopmann oder Marian Heitger oder deutscher Bildungspolitiker wie des oben zitierten SPD-Kultusministers Zöllner werden dabei geflissentlich ignoriert.

Nun können wir auch in Österreich auf Gesamtschul-Erfahrung verweisen, denn unsere Volks-schule ist ein solche. Werfen wir also einen Blick auf diese unsere Gesamtschule und vergleichen wir das internationale Ranking unserer Kinder am Ende dieser Gesamtschulphase mit jenem am Ende einer in einer AHS absolvierten Sekundarstufe I:

Besonders gut punkten lässt sich bei einer desinformierten Öffentlichkeit mit einem Hinweis auf den Nachhilfeunterricht. Dass es sich bei diesem um ein beklagenswertes Symptom von Missständen (die auf eine Fülle unterschiedlicher Ursachen zurückzuführen sind) handelt, steht außer Diskussion. Nur sollten wir die Kirche im Dorf lassen. Wenn in Österreich in der Muttersprache 4%, in Mathematik 13%, in den Naturwissenschaften 3% und in den übrigen Fächern 10% der Kinder Nachhilfeunterricht erhalten, dann sind das um genau jene 4, 13, 3 bzw. 10% zu viele. Wenn wir uns aber die Vergleichszahlen im OECD Durchschnitt (17, 27, 17 bzw. 20%) oder im PISA-Siegerland Singapur (37, 61, 49 bzw. 34%) ansehen, dann relati-viert sich doch immerhin der Eindruck. Zumindest sollten wir uns von dem schizophrenen Wunsch befreien, gleichzeitig dem Vorbild der PISA-Sieger (mit ihren exorbitanten Nachhil-fe-Quoten) nachzueifern und das Ausmaß an Nachhilfestunden abzubauen.

Wenn all die angeführten Halbwahrheiten bloß ärgerlich sind, weil sie die Gutgläubigkeit der Menschen missbrauchen und auf diese Weise eine Geringschätzung von deren Intelligenz sig-nalisieren, so waren es zwei Argumentationslinien, die sich nicht mehr bloß als harmloser Un-sinn abtun lassen, weil sie eine menschenverachtende Komponente enthalten.

Da ist zum einen die pathetische Klage über unsere „ach so niedrige“ Akademikerquote, die zwar mit jener etwa in der nicht eben wirtschaftlich darniederliegenden Schweiz vergleichbar ist, aber doch deutlich hinter jener in Ländern wie Spanien hinterherhinkt. Dass dort auch alle Absolventen einer österreichischen BHS oder BAKIP oder Krankenpflegerausbildung sich mit einem akademischen Titel schmücken dürften, und dass 40% dieser Akademiker arbeitslos sind, hindert unsere linken Klassenkämpfer nicht daran, sich eine solche Situation auch für unser Land zu wünschen. Offensichtlich beginnt der Mensch für die linken Ideologen erst beim Akademiker, während der tüchtige Tischler, Installateur, Optiker, Juwelier etc. als min-derwertig gering geschätzt wird. Ob sich auch der nicht-linke Teil unserer Bevölkerung ein solches Klassensystem wünscht, möchte ich ernsthaft in Frage stellen.

Den Vogel schoss Herr Androsch am Tag vor dem Beginn der Unterzeichnungsfrist des Volksbegehrens in einem Kurier-Interview ab, in dem er eine „Finnlandisierung“ Österreichs forderte. Wenn man bedenkt, dass Finnland eine Jugendarbeitslosigkeit von  19,9 % (gegen-über 8,2 % in Österreich) und eine Dropout-Rate (Schüler, die nicht einmal einen Hauptschul-abschluss erreichen) von 9,9% (gegenüber 8,7% hierzulande) aufweist, dann entlarvt ein sol-cher Wunsch einen menschenverachtenden Zynismus, der nicht davor zurückschreckt, die Zukunft unserer Jugend auf dem Götzenaltar einer gleichmacherischen Ideologie zu opfern. Während der eigene Nachwuchs in einer teuren Privatschule in Sicherheit gebracht wird, soll das „einfache Volk“, das nicht der millionenschweren Schickimicki-Klasse angehört, zu jenem staatlichen System vergewaltigt werden, das „finnische“ Ergebnisse produziert.

Aber genug der Unappetitlichkeiten. Lassen Sie mich, bevor ich zum zweiten Teil meines Themas, dem Verbesserungsbedarf in unserem Schulsystem, komme, einige pädagogische Grundsätze definieren, die ich gerne als unverhandelbar an die Stelle der bei uns üblichen eingemauerten ideologischen Standpunkte als Ausgangspunkte zukünftiger bildungspoliti-scher Überlegungen stellen würde.

  1. Schule ist für Schüler da, so wie Spitäler für Kranke da sind (und nicht für Ärzte). Ich zitiere dazu eine der führenden Erziehungswissenschaftlerinnen Deutschlands, Univ. Prof. Dr. Gabriele Weigand, aus ihrem richtungweisenden Buch „Schule der Person“: „Nimmt man die Person des Schülers als Prinzip und Maßstab für Erziehung, Unterricht und Schule, so kehren sich die im herkömmlichen Denken weit verbreiteten Prioritäten um: Personale Pädagogik kann nicht vom System her gedacht werden, auch nicht von Stan-dards, von Lehr- oder Bildungsplänen und nicht von der Didaktik und Methodik her, sondern von den Potentialen der einzelnen Schülerinnen und Schüler. Bildungsprozesse gehen vom Einzelnen aus und führen auf ihn zurück. Das individuelle Kind, der einmalige Heranwachsende werden zum Bezugspunkt des pädagogischen Denkens und Handelns in Erziehung, Unterricht und Schule.
  2. Da „Begabung“ ein dynamisches Potential ist, das in jedem Menschen genetisch grundge-legt ist, das aber der Stimulation bedarf, um nicht zu verkümmern, hat jedes Kind das gleiche unverbrüchliche Naturrecht auf Förderung seiner jeweiligen Begabungen. Das gleiche Recht aller auf optimale, begabungsadäquate Förderung bedeutet aber nicht das Recht aller auf gleiche Förderung. Im Gegenteil: Es ist eine erwiesene Tatsache, dass die Gleichbehandlung Ungleicher bestehende Ungleichheiten vergrößert.
  3. Die personengerechte Förderung dieser in jedem Menschen grundgelegten individuellen Begabungen muss zum frühest möglichen Zeitpunkt einsetzen. Die Vielfalt des Angebots kann hier gar nicht groß genug sein. Jede Verzögerung einer begabungsgerechten Diffe-renzierung manifestiert sich am Ende der Ausbildungszeit in einem um ein mehrfaches multipliziertes Defizit.
    Gott sei Dank gibt es bei uns wenigstens hinsichtlich einer möglichst frühzeitigen Diffe-renzierung etwa zwischen Schigymnasium, Musikgymnasium und erfolgreichen Sport-hauptschulen so etwas wie einen nationalen Konsens. (Wo nähmen wir sonst unsere Olympiamedaillen her?) Und auch auf die Idee eines „Gesamtspitals“, in dem alle Krank-heiten vom Beinbruch über Diabetes, Magersucht und Allergie bis zum Herzinfarkt in ei-ner gemeinsamen Station von gleich ausgebildeten Ärzten mit den gleichen Heilmitteln behandelt werden, sind bislang noch nicht einmal die Grünen gekommen.
  4. Die wichtigste und am frühesten einsetzende Rolle in der Erziehung der Kinder haben die Familien. Daher ist die Wahrung der Elternrechte auf freie Entscheidung über den Bildungsweg ihrer Kinder und über die Frage, ob sie diese selbst betreuen oder staatliche Hil-fe in Anspruch nehmen wollen oder müssen (für die es für den Bedarfsfall ein flächende-ckendes optimal ausgestattetes Angebot geben sollte) heilig zu halten. Gleichzeitig sind aber auch die Eltern in die Pflicht zu nehmen, Sanktionen für Verletzung dieser Pflichten, wie sie in Frankreich selbstverständlich sind, wären durchaus andenkenswert.

Wo also herrscht an unseren Schulen Verbesserungsbedarf?

  1. Eine allgemeinpädagogische Ausbildung der Lehrer, die eine Philosophie des Förderns vermittelt, die von den Hauptpersonen des Geschehens, den Schülern, ausgeht und auf diese zurückführt (in Richtung auf eine „Schule der Person“), muss verbessert – was heiß verbessert? – muss überhaupt erst eingeführt werden. Und das im Rahmen einer zielgrup-penorientierten, d.h. differenzierten Grundausbildung.
  2. Ist dies einmal erreicht, muss den Schulen ein Grad an Autonomie gewährt werden, der es ihnen erlaubt, unterschiedliche Profile zu entwickeln und in einen Qualitätswettbewerb einzutreten, der den Eltern auf der Basis einer „informierten Entscheidung“ ausreichende Wahlmöglichkeiten für ihre Kinder eröffnet.
  3. Schulleiter müssen bei der Auswahl ihres Teams zumindest mitentscheiden können. Das erfordert aber auch eine sorgfältige Auswahl eben dieser Schulleiter, die nicht von ideolo-gischen Überlegungen geleitet ist.
  4. Die Schulen müssen von bürokratischem Ballast befreit werden, damit sich die Lehrer mit voller Kraft und Konzentration ihrer eigentlichen Tätigkeit widmen können. Gleichzeitig muss es Möglichkeiten geben, Lehrpersonen, die dieser ihrer Pflicht nicht nachkommen, aus dem System zu entfernen.
  5. Die Qualität von Schule steht und fällt mit den Lehrern. Daher muss von diesen optimaler Einsatz und das verlangt werden, was ich als „pädagogische Haltung“ bezeichnen möchte. Gleichzeitig muss aber auch die Wertschätzung des Lehrerstandes in der Öffentlichkeit an „finnische Verhältnisse“ angeglichen werden.

Die Liste ließe sich fortsetzen. Aber ich möchte mit einer positiven Note schließen:

Wenn nach dem Aktionismus der vergangen Wochen die ihre Wunden leckenden „Volksbegehrer“ und Berufsideologen nicht wie die Ministerin oder die Grünmarxistin Glawischnik mit spätpubertären trotzigen Beharrungsparolen weiteres Unbill androhen, sondern mehrheitlich das Bedürfnis nach etwas Normalität verspüren sollten – und auf das darf man doch zumindest bei den nicht Genannten hoffen – könnte sich eine Chance auf vernünftige Gespräche unter echten Bildungsexperten ergeben. Und wenn solche Gespräche – da keine Wahl unmittelbar ansteht – womöglich ein Zeit lang ohne Störungen durch Politiker oder von diesen ge-kaufte oder aufgehetzte Medien über die Bühne gehen könnten, dann wäre es doch glatt denkbar, dass es uns gelingt, in einer gemeinsamen Anstrengung aus einem leidlich guten Bildungssystem ein besseres zu machen. Die Hoffnung stirbt zuletzt!

  • (17.12.2018)

    Wir empfehlen die Unterzeichnung folgender Online-Petition: https://www.openpetition.eu/at/petition/online/fuer-eine-qualitative-lehramtsausbildung