Autonomiepaket – der große Wurf?

Isabella Zins, 16.11.2016

Wo Kostenneutralität draufsteht, ist Sparpotenzial drinnen! Eine böse Behauptung? Vor kurzem präsentierte die Regierung ein neues Bildungspaket. Auf die Expertise von PraktikerInnen hatte man bei der Konzepterstellung verzichtet.  Beworben wird das Reformpaket mit dem Begriff „Schulautonomie“ und einem angeblichen Gewinn für SchülerInnen und LehrerInnen. „Autonome Gestaltung und pädagogische Freiräume“ würden zu „besseren Lernergebnissen“  führen  und, quasi als positiver Nebeneffekt, zu „effizienterem Ressourceneinsatz“: mehr Effizienz durch DirektorInnen mit mehr Verantwortung für Lehrpersonal, Fortbildung und autonome Unterrichtsgestaltung an bis zu acht Standorten. ClusterdirektorIn als neuer Traumjob? 

Der Faktencheck zeigt: Manche „neue Errungenschaft“  ist in vielen höheren Schulen schon gelebte Praxis: In Niederösterreich haben wir DirektorInnen höherer Schulen z.B. seit vielen Jahren wesentliche Mitsprache bei der Auswahl unserer Lehrkräfte. Autonome Unterrichtsgestaltung ist gang und gäbe: So gut wie alle Gymnasien haben in den letzten Jahren ihre Schulprofile weiterentwickelt, neue Gegenstände kreiert, Projektunterricht forciert. Eine größere Freiheit bei der Planung ist sicher von Vorteil, auch die Möglichkeit, die Dauer einer Unterrichtssequenz zu verändern  und Klassen anlassbezogen zusammenzufassen – allerdings mit praktischen Einschränkungen: Der Schulalltag muss noch organisierbar sein und es braucht auch Hörsäle, wenn Unterricht gleichzeitig für mehrere Klassen möglich werden soll.

Heikel wird die Autonomie dort, wo der genützte Spielraum zu Verschlechterungen für den Unterricht führt, z.B. wenn die Clusterleitung „ autonom“ - ohne Einbeziehung der Betroffenen - die Größe einer Englischgruppe in die Höhe schraubt, um Ressourcen für eine Lehrkraft für „Deutsch als Fremdsprache“ freizuschaufeln. Die Direktion handelt dann zwar „effizient“ im Sinne der Schulverwaltung, allerdings weder pädagogisch noch schulpartnerschaftlich. Wie lange wird es angesichts eines größer werdenden Budgetdefizits dauern, bis der Dienstgeber die Ressourcen weiter drosselt und noch mehr „Effizienz“ einfordert?

Tatsächlich sind wir DirektorInnen jetzt schon ManagerInnen und  pädagogische Führungskräfte. Was wir brauchen, ist keine Clusterleitung, sondern ein mittleres Management, mehr denn je in Zeiten überbordender Bürokratie. Ein gedeihliches Schulklima zu schaffen – erwiesenermaßen Voraussetzung für erfolgreichen Unterricht – ist die Aufgabe verantwortungsvoller DirektorInnen, die sich auf LehrerInnen, SchülerInnen und Eltern als PartnerInnen stützen und nicht über deren Köpfe hinweg einsame Entscheidungen treffen.

Es bleibt abzuwarten, welche Details in den nächsten Wochen und Monaten präsentiert werden.  Dass die hoch gesteckten und explizit genannten Ziele durch die vorgeschlagenen Maßnahmen erreicht werden, also „Risikogruppen im System reduziert“ und „Spitzengruppen vergrößert“ werden, alles unter der Prämisse der Kostenneutralität, muss im Moment leider bezweifelt werden.

  • (17.12.2018)

    Wir empfehlen die Unterzeichnung folgender Online-Petition: https://www.openpetition.eu/at/petition/online/fuer-eine-qualitative-lehramtsausbildung