Aktuelles

Presseaussendung 14.07.2021

Chancen des Distance Learning auch zukünftig nützen!

Bildungsplattform Leistung & Vielfalt plädiert für schulautonomen Spielraum für Distance Learning

Die Corona-Pandemie hat im Schulwesen einigen Staub aufgewirbelt. Viel wurde über die schwierigen Lockdown-Begleitumstände geschrieben, wenig über die positiven Aspekte. „Die Bildungsplattform will den Blick auf die Chancen freilegen. Während der Pandemie hat sich gezeigt: Schule ist, kann und soll mehr sein als ein Parkplatz für Kinder, während die Eltern arbeiten“, so der Vorsitzende Gunter Bittner, ein Experte der Praxis, der das Bildungssystem aus zahlreichen Perspektiven bestens kennt.

„Zu Unrecht ist das Distance Learning nur als „Notnagel“ in Lockdown-Zeiten gesehen worden“, ergänzt die stellvertretende Vorsitzende Isabella Zins, gleichzeitig Sprecherin der AHS-DirektorInnen Österreichs. „Das sollte sich ändern, vor allem an den Oberstufen. Gerade dort fand der Großteil der SchülerInnen den Distanzunterricht nämlich zielführender als den ungeliebten Schichtunterricht.“

„Das Bildungssystem hat im Laufe der Pandemie viel gelernt und entdeckt. Die innovativen, effektiven und positiven Aspekte, die das Distance Learning unzweifelhaft auch mit sich bringt, sollen in eine nachhaltige Zukunft von Schulunterricht mitgenommen werden“, sind sich Bittner und Zins einig. Nicht Distance Learning führe zu sozialer Distanz, sondern Lockdowns, die es mit gemeinsamer nationaler Anstrengung zu verhindern gelte. „Ohne Lockdown ist Distance Learning vor allem eine orts- und zeitungebundene Unterrichtsform - mit fünf wesentlichen Vorteilen: Sie erlaubt Menschen erstens, beim Lernen in unterschiedlichen sozialen Zusammensetzungen miteinander zu agieren, zweitens, mehr ihrem eigenen Biorhythmus zu folgen, drittens, außerhalb des Schulgebäudes in der sogenannten „echten Welt“ tätig zu werden, viertens tatsächlich auf die mehr und mehr digitalisierte Berufswelt vorbereitet zu werden, und fünftens, sich beim Lernen auch einmal an der frischen Luft aufzuhalten. Es trägt darüber hinaus zur Verkehrsberuhigung bei – ein ökologischer Entlastungsfaktor.

Konkret schlägt die Bildungsplattform Leistung & Vielfalt daher vor:

  • Schaffung eines gesetzlichen Rahmens für schulautonome Möglichkeiten, auch nach Pandemie und Lockdowns einzelne Tage für Distance Learning bereitzustellen – zunächst für den Unterricht in der Sekundarstufe II (Oberstufe).
  • Entwicklung von pädagogischen Konzepten unter Einbindung aller SchulpartnerInnen und Rücksichtnahme auf die unterschiedliche soziale und ökonomische Situation von Familien: Niemand soll sich mit Digitalisierung allein oder im Stich gelassen fühlen.
  • Fortbildungskonzepte für Lehrkräfte und SchülerInnen: Es geht um mehr als das technische Knowhow. Es gilt, eine Unterrichtskultur umzusetzen, die die innovativen und alternativen Möglichkeiten von digitalem Lehren und Lernen ausschöpft, statt, „alten Wein in neue Schläuche zu füllen“. Präsenz- und Digitalunterricht sollen als Ergänzungsformen wachsen.

„Wir sehen die gesetzliche Ermöglichung von Distance-Learning-Tagen als wichtigen Impuls für eine zeitgemäße Schulentwicklung. Trauen wir den Schulen zu, dass sie ihren eigenen Spielraum und ihre Entscheidungsfreiheit sinnvoll nützen“, plädieren Gunter Bittner und Isabella Zins abschließend für die praktische Nutzung der neuen Möglichkeiten des digitalisierten Unterrichts auch in „Normalzeiten“.


Statements

HR Mag. F. Gunter Bittner

HR Mag. F. Gunter Bittner

Das Bildungsangebot des differenzierten österreichischen Schulsystems muss in allen Schularten die Kinder und Jugendlichen ihren jeweiligen Begabungen und Interessen entsprechend individuell zu Leistungen motivieren, die befriedigen und Erfolgserlebnisse vermitteln, aber nicht überfordern. Der Vielfalt an Begabungen und Interessen muss durch eine Vielfalt unterschiedlicher Schularten, die erhalten werden muss, Rechnung getragen werden. Die unterschiedlichen Schularten müssen gemäß ihrer Aufgaben von Experten der jeweiligen Schulart begleitet, betreut und weiterentwickelt werden. Ungleiche gleich behandeln ist ungerecht!

HR Mag. Isabella Zins

HR Mag. Isabella Zins

Das differenzierte Schulsystem Österreichs bietet allen Kindern und Jugendlichen Österreichs die Chance auf personengerechte und begabungsadäquate Bildung und muss erhalten bzw. qualitätsvoll weiterentwickelt werden. Diese Vielfalt an gleichwertigen staatlichen Angeboten trägt dann zur Talenteförderung bei, wenn jedes Bildungsangebot von der Gesellschaft wertgeschätzt wird und Kinder und Eltern bei der Entscheidung unterstützt werden, vor allem an den Übergängen im Bildungssystem. Damit die Kinder zur Leistung motiviert, gefördert und gefordert, aber nicht überfordert werden. Dafür setze ich mich ein.

Mag. Claudia Dörrich

Mag. Claudia Dörrich

Unser differenziertes Bildungswesen ist ein hohes Gut, das den Begabungen und Stärken der Kinder und Jugendlichen am besten gerecht wird. Um bei der Wahl des Bildungsweges bestmögliche Unterstützung anbieten zu können, bedarf es an den Schnittstellen einer Potenzialanalyse mit ausführlicher Beratung der Kinder und Jugendlichen sowie deren Eltern. Ein Ziel muss es auch sein, den Fokus nicht nur auf das Kompensieren von Schwächen zu legen, sondern vor allem auch darauf, die individuellen Begabungen so zu fördern, dass herausragende Leistungen ermöglicht werden. Freude über das Erreichte und die Begeisterung aller Beteiligten sind im Leistungssport omnipräsent und sollten auch in einem finanziell gut dotierten Bildungswesen Platz finden.

HR DI Dr. Franz Reithuber

HR DI Dr. Franz Reithuber

Als Techniker und als Vertreter eines schon vor langer Zeit differenzierten Berufsbildungssystems zitiere ich aus dem Jahresbericht der HTL Steyr, welcher aus Anlass des zehnjährigen Bestehens im Jahre 1884 von meinem Vorgänger Ing. Alfred Musil, dem Vater des Schriftstellers Robert Musil, verfasst wurde. Er schreibt im ersten Absatz: „Als die einst so blühenden und weltbekannten Eisen- und Stahl-Gewerbe von Steyr und Umgebung zu Ende der sechziger Jahre allmälig in Verfall geriethen und immer mehr, vom Auslande überflügelt, an Concurrenz verloren, musste man auf Mittel sinnen, diesem traurigen Verfall Einhalt zu thun und die hier ansässige Industrie, wenn auch nur stufenweise, wieder zu beleben und concurrenzfähig zu gestalten.“ Unsere Schule wurde also als Reaktion auf einen starken Leidensdruck gegründet! Wie wir aus der Entwicklung von Steyr und Umgebung ableiten können, war die Gründung der Schule ein wichtiger Mosaikstein für die Prosperität unseres Landes! Dies möge unserer Gesellschaft Motivation genug sein, das differenzierte Schulsystem zu erhalten und weiter zu entwickeln!

Mag. Florian Stehrer

Mag. Florian Stehrer

Keine politische Sonntagsrede, bei der nicht einer der Stehsätze „Rettet die Artenvielfalt!“, „Regionen und die Menschen vor Ort stärken!“ oder „Freiheit, selbst zu entscheiden, ist das höchste Gut!“ vorkommt. Nur für einen Bereich soll das anders sein: Eine Schule für alle statt Schultypen für den einzelnen. Zentrale Vorgaben an alle statt Autonomie der Schulpartner. Ganztagsschule für alle statt Wahlfreiheit für die Familien und Kinder. Doch der Bildungsbereich ist in sich auch ein „Ökosystem“, das nur durch seine Pluralität der Formen, durch die Anpassungsfähigkeit an die Bedürfnisse der Menschen im Kleinen und durch eine positive Einstellung zur Leistung existieren kann. Dieses differenzierte Schulsystem, das einen Weg für jeden Schüler und jede Schülerin anbieten kann, zu erhalten und auszubauen, muss der Auftrag an uns als Gesellschaft sein!

Dr. Robert König

Dr. Robert König

Wollte man aus meiner Sicht den Kern eines jeden pädagogischen Verhältnisses in einem Imperativ ausdrücken, so könnte er lauten: „Entdecke Potentiale!“ – Mit der „Vielfalt“ solcher Potentiale verbinden sich lebenslange Abenteuerlust, zugleich Respekt vor individuellen Grenzen und ganz besonders: die Befähigung zu sinnstiftenden Handlungen. Von daher verstehe ich auch den Begriff „Leistung“. Sie bedeutet nicht Funktionalisierung, möglichst große Effizienzsteigerung oder gar Vernutzbarung Einzelner. Vielmehr schlägt sie sich in der wechselseitigen sinnstiftenden Handlungsbefähigung nieder, zu der Menschen einander verhelfen, um sich miteinander gerade vor der bloßen Funktionalisierung zu schützen. Ein Bildungssystem der Leistung und Vielfalt hat daher auch in seinen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen die Aufgabe, sowohl verantwortungsvolle Befähigung zu individuellen Potentialen als auch Schutz vor der Gleichgültigkeit des Gleichheitszeichens zu sein.


Impressum

Offenlegung gem § 25 MedienG

Anschrift

Verein "Bildungsplattform Leistung & Vielfalt - LuV"
p.A. Aignerstraße 8, Postfach 530, 5020 Salzburg

e-mail: kontakt@bildungsplattform.at

ZVR-Zahl: 274316539

Vorsitzender und für den Inhalt verantwortlich

HR Mag. Gunter Bittner, Aignerstraße 8, Postfach 530, 5020 Salzburg

Vereinszweck

Mitgestaltung bei der Weiterentwicklung des österreichischen Bildungssystems, Verankerung des Gedankens einer umfassenden Begabungsförderung

Mitgliedsbeitrag pro Kalenderjahr:

Einzelmitgliedschaft: 15 - 25 € (nach Selbsteinschätzung)
Familienmitgliedschaft: 20 - 30 € (nach Selbsteinschätzung)
Studenten: 10 €

Datenschutz

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