Presseaussendungsarchiv

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Presseaussendung 30.12.2021

Alarmierende psychische Situation unserer SchülerInnen

Bildungsplattform fordert 3 konkrete Maßnahmen

Die Lage der Kinder und Jugendlichen ist sehr ernst. Wie mehrere wissenschaftliche Studien zeigen, verschlimmert sich ihr psychisches Wohlbefinden durch die anhaltende Pandemie und deren Folgen zusehends. Denn gerade diese Altersgruppe hat mit ihren ganz eigenen Entwicklungsaufgaben zu kämpfen: Vom Finden der eigenen Identität im sozialen Austausch mit anderen über vielfältige Begegnungen mit der eigenen Peer-Group bis zur Abnabelung von den eigenen Eltern oder dem Austesten eigener Grenzen und Möglichkeiten. Die Maßnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie erschwerten und verhinderten all dies seit zwei Jahren beträchtlich.

„Das Resultat ist eine sehr ernste und uns wohl noch lange herausfordernde psychische Situation unserer SchülerInnen“, sagt Gunter Bittner, Vorsitzender der Bildungsplattform Leistung und Vielfalt. „Wir sehen ein breites Belastungsspektrum, das von persönlichem Verdruss und Erfahrungen der Sinnlosigkeit bis hin zu selbstverletzendem Verhalten, Suchterkrankungen, schweren Depressionen und suizidalen Tendenzen reicht.“

„Schulen brauchen mehr Unterstützung, um rasch und richtig auf Belastungssituationen reagieren zu können, zum Schutz der uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen“, ergänzt Isabella Zins, die stellvertretende Vorsitzende der Bildungsplattform und Sprecherin der AHS-DirektorInnen Österreichs. Deshalb fordert die Bildungsplattform die rasche Umsetzung folgender Schritte in guter Koordination zwischen Gesundheits- und Bildungsministerium:

  • EINE Kontaktstelle für akute Notfälle, in jeder Klasse als einfache Telefonnummer sichtbar, und dahinter eine Vernetzung der Schulpsychologie mit allen bestehenden Unterstützungsangeboten für SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern, z.B. durch Ausbau von „Rat auf Draht“ als Anlaufstelle
  • Weitere Aufstockung der Anzahl psychologisch und psychotherapeutisch geschulter Personen an Schulen zum direkten und damit niederschwelligen Austausch mit DirektorInnen, LehrerInnen, Eltern und SchülerInnen sowie ein engmaschigeres Netz von kooperierenden Institutionen dieses Bereiches
  • Kampagnen zur Bewusstseinsbildung und Abbau üblicher Vorbehalte und Vorurteile gegenüber psychischen Belastungssymptomen und Aufzeigen von Chancen psychologischer Hilfe

„Gerade der letzte Punkt scheint sehr wichtig, da auch das beste Angebot nichts hilft, wenn es nicht rechtzeitig und ohne Angst vor veralteten Vorurteilen angenommen wird“, ergänzt Franz Reithuber, Mitglied des Vorstandes der Bildungsplattform und Sprecher der BHS-DirektorInnen.

Das Gesundheitsministerium hat kürzlich angekündigt, ein mehrere Millionen umfassendes Budget zur Unterstützung psychologischer Maßnahmen für Kinder und Jugendliche aufzubringen. Die Bildungsplattform Leistung und Vielfalt begrüßt dies und bietet sich in diesem Zusammenhang als in der Praxis des Schulalltages verankerter Ansprechpartner zur Umsetzung sinnvoller und konkreter Ideen an.

„Die Herausforderung darf nicht nur kurzfristig, sondern muss nachhaltig und systematisch angegangen werden. Mit der psychischen Gesundheit eines jungen Menschen ist schließlich stets sein gesamtes Umfeld verbunden, das sich aus Familie, FreundInnen, MitschülerInnen, LehrerInnen und weiteren Personen zusammensetzt“, stellt Gunter Bittner klar. Isabella Zins und Franz Reithuber ergänzen: „Es besteht ein gesellschaftlich-systemischer Handlungsbedarf, damit wir nicht von der Bedrohung durch das Corona-Virus in Cluster psycho-sozialer Erkrankungen stolpern. Nützen wir die Chance, durch besser koordinierte Hilfsangebote ein Thema zu enttabuisieren: Hilfe bei psychischen Problemen soll genauso selbstverständlich und niederschwellig in Anspruch genommen werden wie bei körperlichen Problemen.“


Kommentar, Oktober 2021

Schulaufsicht ohne Expertise?

Am Beispiel des Bundeslandes Salzburg soll die Problematik fehlender Expertise der Schulaufsicht aufgezeigt werden: Seit 1. September sind hier für 70 % der Gymnasien, für 67 % der Volksschulen und für 57 % der Mittelschulen Schulqualitätsmanager/innen (früher: Schulinspektor/inn/en) zuständig, die an den entsprechenden Schularten nie unterrichtet haben, ja nicht einmal dazu berechtigt sind. An den berufsbildenden höheren Schulen ist das ganz ähnlich: für 57 % der HTLs, 66 % der HAKs und 94 % der humanberuflichen Schulen sind Schulaufsichtsbeamte zuständig, die an einer solchen Schulart noch nie unterrichtet haben.

Eine mehrjährige Erfahrung an einer Schule der jeweiligen Schulart, in der man ihr „Innenleben“ und ihre spezifischen Gepflogenheiten umfassend kennen lernt, ist aber die Voraussetzung für die vom Bildungsministerium geforderte Expertise. Ohne sie ist es schwierig, am Qualitätsmanagement und an der schulartenbezogenen Schulentwicklung mitzuwirken und bei der Beratung der Schulen pädagogische Expertise bereit zu stellen. Man beauftragt ja auch nicht Augenärzte mit dem Qualitätsmanagement von Chirurgen oder Bäcker mit dem von Schlossern. Die Schulqualitätsmanager/innen sind sehr bemüht, sich in die einschlägigen rechtlichen Dokumente einzulesen und so die fehlende Erfahrung zu kompensieren. Ganz ersetzt werden kann dadurch diese Erfahrung aber nicht. Natürlich können sie auch bei Kolleg/inn/en mit der entsprechenden Erfahrung Informationen einholen. Dann wäre es aber doch besser, dass gleich die in der jeweiligen Schulart erfahrenen Kolleg/inn/en auch für diese zuständig sind. Ein Schulqualitätsmanager hat im Mittel nur für ein Viertel der Schulen, für die er zuständig ist, die einschlägige Erfahrung und Expertise.

Zu den Direktor/inn/enkonferenzen werden neuerdings auch Direktor/inn/en aller Schularten einer Region eingeladen. Die Überschneidungen der dort behandelten Themen für die einzelnen Schularten sind sehr klein: die Organisation der Verteilung von Laptops und Tablets in der 5. und 6. Schulstufe betrifft weder die Volksschulen noch die berufsbildenden Schulen, neue Bestimmungen für die Reifeprüfung betreffen alle Pflichtschulen nicht und die Modalitäten der Schulreifefeststellung betreffen alle Schularten der Sekundarstufe nicht.

Obwohl die relevante Verordnung nur fordert, dass ein/e Schulqualitätsmanager/in für mindestens zwei Schularten zuständig ist, ist in Salzburg im Mittel jede/r Schulqualitätsmanager/in für zumindest sechs (!) Schularten zuständig. Den vielfältigen Anforderungen (unterschiedliche Gesetze, Erlässe und Verordnungen, zahlreiche schulartenspezifische Konferenzen und Tagungen) kann ein/e Schulqualitätsmanager/in meiner Meinung nach nicht nachkommen, zumal die Erfahrung in der Regel in nur einer Schulart vorhanden ist. Ein effizientes Arbeiten wird dadurch überaus aufwändig und erschwert. Außerdem fehlt dann jeder Schulart ein spezifischer Ansprechpartner, ein Experte / eine Expertin als kompetente Informationsperson und ein/e Fürsprecher/in und Mentor/in der jeweiligen Schulart. Die Gleichschaltung aller Schularten beruht auf einer undifferenzierten Unterstellung.

Ich höre immer wieder, dass die Festlegung der Zuständigkeiten der Schulqualitätsmanager/innen nach geographischen Gesichtspunkten getroffen wird, damit ein/e Schulqualitätsmanager/in die Schüler/innen seines „Sprengels“ beim Übertritt in eine Schule der Sekundarstufe 1 und dann in eine Schule der Sekundarstufe 2 begleiten kann. Es ist naiv zu glauben, dass die Schüler/innen nach Abschluss einer Volksschule in die geographisch nächstgelegene weiterführende Schule übertreten. Das mag vielleicht für periphere Lagen gelten, das gilt aber sicher nicht für den Zentralraum Salzburg. Schüler/innen wechseln beispielsweise aus Volksschulen der Bildungsregion Süd (Hallein-Rif, Puch, Oberalm) in Gymnasien der Stadt Salzburg (Bildungsregion Nord). Ganz besonders unverständlich ist die Festlegung der Zuständigkeiten in der Stadt Salzburg: für die 13 Gymnasien sind fünf verschiedene Schulqualitätsmanager/inn/en zuständig, während man für die 26 Volksschulen mit drei Schulqualitätsmanager/innen das Auslangen findet. Die Schulen der einzelnen Schulqualitätsmanager/innen sind quasi zufällig über das Stadtgebiet verstreut, ein geographisches Konzept ist nicht erkennbar. Offenbar wurden bei der Festlegung der Zuständigkeiten andere Ziele verfolgt.

Ich hoffe für die betroffenen Schulen, dass ein Umdenken stattfindet und dass sie wieder von erfahrenen Schulaufsichtsbeamten begleitet und betreut werden.

HR Mag. F. Gunter Bittner


Kommentar, Oktober 2021

Häuslicher Unterricht - eine Alternative zum Unterricht in der Schule?

Laut § 11 Schulpflichtgesetz 1985 kann die allgemeine Schulpflicht auch durch die Teilnahme an häuslichem Unterricht erfüllt werden, sofern der Unterricht mindestens gleichwertig ist. Die Eltern oder Erziehungsberechtigten haben die Teilnahme ihres Kindes an einem häuslichen Unterricht der Bildungsdirektion jeweils vor dem Beginn eines Schuljahres anzuzeigen. Die Bildungsdirektion wiederum kann die Teilnahme an einem solchen Unterricht nur dann untersagen, wenn mit großer Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, dass die geforderte Gleichwertigkeit des Unterrichts nicht gegeben ist. Der Erfolg eines häuslichen Unterrichts ist jährlich vor Schulschluss durch eine Prüfung an einer entsprechenden Schule nachzuweisen. Das ist in Ausnahmefällen möglicherweise eine sinnvolle Alternative, etwa wenn Kinder sehr schüchtern sind und in den Augen der Eltern vielleicht noch zu jung und unreif sind, sich in größeren sozialen Gruppen, wie es eine Klasse darstellt, einfügen zu können. Und wenn etwa zumindest ein Elternteil selbst eine pädagogische Ausbildung erhalten hat.

Für das Schuljahr 2021/22 wurden aber besonders viele Kinder - ungefähr viermal so viele wie in früheren Schuljahren - zum häuslichen Unterricht angemeldet. Diese Tatsache ist sicherlich zu einem großen Teil der Covid-Pandemie geschuldet, weil viele Eltern ganz einfach Angst um die Gesundheit ihrer Kinder haben. Auch die Gefahr von Bildungsdefiziten wegen möglicher Lockdowns spielt sicherlich eine Rolle.

Möglicherweise glauben Eltern, dass sie häuslichen Unterricht in den Lockdown-Phasen bereits erlebt haben und ihn daher kennen. Sie hatten die Kinder zu Hause und mussten sie beim Erledigen von Arbeitsaufträgen und Aufgaben unterstützen. Der sogenannte ortsungebundene Unterricht ist aber etwas ganz anderes als häuslicher Unterricht. Im ortsungebundenen Unterricht werden die Kinder von der Lehrperson professionell begleitet, es werden ihnen – etwa über Onlinestunden oder auch Präsenzphasen – Zusammenhänge erklärt und dann Aufgaben gestellt, die dem Fortschritt des Unterrichts entsprechen.

Viele Eltern kennen die Grundgedanken der Montessoripädagogik und haben deren Elemente an ihren Kindern möglicherweise selbst schon erlebt. Zu glauben, man könne aber ganz ohne Anleitung und Führung die Kinder sich selbst überlassen und erwarten, es würde schon der richtige Moment eintreten und die Kinder würden dann schon die notwendigen Fragen stellen, ist allerdings naiv. Eine Lehrkraft hat den Lehrplan im Fokus, weiß, wie viel Energie für die einzelnen Bereiche des Lehrplans notwendig sein wird, und kann dementsprechend die Inhalte auf ein Schuljahr aufteilen. Die Lehrer/innen sind entsprechend ausgebildet. Man sollte die Kompetenzen der Lehrer/innen nicht unterschätzen! Und man sollte auch die Herausforderung, der man sich als Elternteil stellen muss, nicht unterschätzen. Vielleicht gelingt der häusliche Unterricht ja bei einem Kind, sobald es aber mehr sind, die in der Regel auch unterschiedlich alt sind, wird es schwierig bis unmöglich für jemanden, der keine Lehrerausbildung durchlaufen hat, die Herausforderung zu bewältigen. Eine Lehrperson kann einfach dank ihrer Ausbildung Lernprozesse professionell organisieren.

Es steht zu befürchten, dass viele Eltern nicht so recht wissen, worauf sie sich einlassen.

Dazu kommt, dass das Verhältnis von Eltern zum Kind ein anderes ist als dies von der Lehrperson zum Kind. Die Lehrperson ist aus ihrer Rolle heraus dem Kind gegenüber eine Respektsperson, deren Anweisungen zu befolgen sind. In der Regel genügt ein mahnendes Wort oder oft nur ein gestrenger Blick, um das Kind an seine Pflichten zu erinnern. Im Umgang mit den Eltern ist das Kind gewohnt, persönliche Interessen und Wünsche zu artikulieren, und hat bereits Strategien entwickelt, diese auch nach Möglichkeit durchzusetzen. Das steht aber einer unangefochtenen Autorität, über die in der Regel eine Lehrperson verfügt, im Wege. Oft spielen bei den Eltern viele andere Interessenspositionen und auch Konflikte, die mit dem Lernprozess an sich gar nichts zu tun haben, in diesen aber hinein und stören ihn.

Aufgrund des Bundesgesetzes über das Privatschulwesen vom 25. Juli 1962 handelt es sich dann um eine Privatschule, wenn eine Mehrzahl von Schüler/innen gemeinsam nach einem festen Lehrplan unterrichtet wird. Daher ist es auch nicht zulässig, dass häuslicher Unterricht eine größere Gruppe von gleichaltrigen Kindern umfasst, die gemeinsam unterrichtet werden.

Genau darin liegt aber die Crux des häuslichen Unterrichts. Durch Externistenprüfungen können Sachkompetenzen in diversen Unterrichtsgegenständen überprüft werden, was aber völlig zu kurz kommt und auch nur sehr schwer überprüfbar ist, ist die Tatsache, dass die Schule in einem sehr wesentlichen Ausmaß ein Ort des „Sozialen Lernens“ ist. Ziel eines Unterrichts muss neben dem Erwerb von Sachkompetenz immer auch der Erwerb von Selbst- und Sozialkompetenz sein.

Auf der Homepage des Österreichischen Zentrums für Persönlichkeitsbildung und soziales Lernen (ÖZEPS) (www.oezeps.at) sind einige Punkte angeführt, die zu diesem Erwerb von sozialer Kompetenz dazugehören:

Die Schule

  • bietet ein Klima von Zusammenarbeit und gegenseitiger Wertschätzung,
  • bietet Modelle zu konstruktiven Konfliktlösungen, wie z.B. Peer-Mediation,
  • ist bedacht auf einen verständnis- und respektvollen Umgang mit anderen Menschen und anderen Kulturen.

Vieles beim „Sozialen Lernen“ ist aber gar nicht Teil des Unterrichts, sondern es „passiert“ einfach in einer Klassengemeinschaft. Da ist auch viel Freude dabei und Schule wird dann als positiv empfunden. In den Flachgauer Nachrichten vom 9. September 2021 werden Kinder vor dem Schulbeginn interviewt. Ein Mädchen aus Faistenau schildert, dass es sich neben dem Üben von Lesen und Schreiben auf den Turnunterricht, auf die Pausen und darauf freut, jeden Tag seine Freunde und Freundinnen zu sehen. Das halten wir für einen ganz wichtigen Punkt, ein Ziel von Schule ist ein freudvolles Miteinander von Gleichaltrigen. Und genau dieses Ziel kommt beim häuslichen Unterricht zu kurz.

Kinder müssen sich von ihren Eltern emanzipieren können. Im Wort Emanzipation steckt der lateinische Begriff „e manu capere“, was „aus der Hand nehmen“ bedeutet. Gerade dieses Loslassen des eigenen Kindes ist enorm wichtig. Ein Kind darf seine Stärken und Schwächen entdecken, seine Interessen vertiefen und seine Persönlichkeit entwickeln. Natürlich muss dieser Prozess in Sicherheit und vertrauensvoller Umgebung ablaufen. Ziel ist es, dass der junge Mensch sukzessiv selbständig und auch geistig autonom wird. Letztlich muss und darf er dann selbstbewusst sein eigenes Leben gestalten. Gleichzeitig soll der junge Mensch die Regeln des Zusammenseins kennenlernen und Diversität und Meinungsvielfalt respektieren lernen.

Wir leben gerade in einer Zeit, in der die gesellschaftliche Spaltung fortschreitet, das Gemeinsame oft in den Hintergrund tritt. Wenn die Interaktion mit dem Mitschüler/innen positiv empfunden wird und Konflikte nicht unter den Teppich gekehrt werden, sondern gemeinsam eine Lösung entwickelt wird, wird der junge Mensch auch im Erwachsenenalter vorgefundene gesellschaftliche Strukturen nicht ablehnen, sondern er wird versuchen sie zu verändern und weiterzuentwickeln.

Schule ist daher sehr umfassend zu sehen, der häusliche Unterricht - mag er noch so kompetent sein - kann viele Facetten nicht anbieten und abdecken. Daher sollte er nur in Ausnahmefällen zur Anwendung kommen. Eine umfassende und individuelle Beratung der Eltern ist daher unbedingt notwendig. Die Externistenprüfung am Ende eines Schuljahres deckt das Lernen in seiner Gesamtheit nicht ab.

HR Mag. F. Gunter Bittner
Mag. Claudia Dörrich


Presseaussendung 14.10.2021

OECD erkennt Vielfalt als Vorteil für die Jugend

Bildungsplattform fordert intensivere Beratung an allen Übergängen des Bildungswesens

„Als Bildungsplattform Leistung & Vielfalt freuen wir uns darüber, dass die Vielfalt unterschiedlicher, aber gleichwertiger Bildungswege, ein Charakteristikum des österreichischen Schulwesens, jetzt auch von der OECD als Asset verstanden wird“, betont der Vorsitzende Gunter Bittner.

Der aktuelle OECD-Bericht „Bildung auf einen Blick 2021“ war Thema bei der Jahrestagung der Bildungsplattform in Steyr. In ihm sind aus dem Mund der OECD überraschende Bekenntnisse zur Vielfalt zu lesen. Österreichs vielfältiges Schulwesen war seit der Jahrtausendwende gerade seitens der OECD massiver Kritik ausgesetzt. Diese Kritik führte in Österreich zur schulpolitischen Forderung, unser vielfältiges Schulwesen durch ein Gesamtschulsystem zu ersetzen. Ausgeblendet wurde dabei, dass gerade in Gesamtschulstaaten jungen Menschen nach Abschluss ihrer Schullaufbahn der Wechsel ins Berufsleben oft nicht gelingt.

In ihrem aktuellen Bericht bekennt die OECD in erfreulicher Offenheit, dass „ein Angebot unterschiedlicher, an die Bedürfnisse und Pläne junger Erwachsener angepasster Bildungsmöglichkeiten […] einen reibungsloseren Übergang von der Ausbildung in den Arbeitsmarkt“ sicherstellt. Berufsbildende Bildungsgänge seien nicht „zweitbeste Wahl für schwächere Bildungsteilnehmer, sondern als Exzellenzzentren für die Entwicklung wichtiger Kompetenzen anzusehen.“

„Als Bildungsplattform setzen wir uns dafür ein, dass Kinder und Eltern vor den Übergängen mit 10, 14 und 18 Jahren bestmöglich beraten werden, damit sich Talente und Begabungen entfalten können“, betont Isabella Zins, stellvertretende Vorsitzende der Bildungsplattform.

„Dafür müssen zusätzliche Instrumente geschaffen werden. Das sind wir den jungen Menschen, ihren Eltern und der Zukunft unseres Landes schuldig“, so Gunter Bittner abschließend.


Presseaussendung 14.07.2021

Chancen des Distance Learning auch zukünftig nützen!

Bildungsplattform Leistung & Vielfalt plädiert für schulautonomen Spielraum für Distance Learning

Die Corona-Pandemie hat im Schulwesen einigen Staub aufgewirbelt. Viel wurde über die schwierigen Lockdown-Begleitumstände geschrieben, wenig über die positiven Aspekte. „Die Bildungsplattform will den Blick auf die Chancen freilegen. Während der Pandemie hat sich gezeigt: Schule ist, kann und soll mehr sein als ein Parkplatz für Kinder, während die Eltern arbeiten“, so der Vorsitzende Gunter Bittner, ein Experte der Praxis, der das Bildungssystem aus zahlreichen Perspektiven bestens kennt.

„Zu Unrecht ist das Distance Learning nur als „Notnagel“ in Lockdown-Zeiten gesehen worden“, ergänzt die stellvertretende Vorsitzende Isabella Zins, gleichzeitig Sprecherin der AHS-DirektorInnen Österreichs. „Das sollte sich ändern, vor allem an den Oberstufen. Gerade dort fand der Großteil der SchülerInnen den Distanzunterricht nämlich zielführender als den ungeliebten Schichtunterricht.“

„Das Bildungssystem hat im Laufe der Pandemie viel gelernt und entdeckt. Die innovativen, effektiven und positiven Aspekte, die das Distance Learning unzweifelhaft auch mit sich bringt, sollen in eine nachhaltige Zukunft von Schulunterricht mitgenommen werden“, sind sich Bittner und Zins einig. Nicht Distance Learning führe zu sozialer Distanz, sondern Lockdowns, die es mit gemeinsamer nationaler Anstrengung zu verhindern gelte. „Ohne Lockdown ist Distance Learning vor allem eine orts- und zeitungebundene Unterrichtsform - mit fünf wesentlichen Vorteilen: Sie erlaubt Menschen erstens, beim Lernen in unterschiedlichen sozialen Zusammensetzungen miteinander zu agieren, zweitens, mehr ihrem eigenen Biorhythmus zu folgen, drittens, außerhalb des Schulgebäudes in der sogenannten „echten Welt“ tätig zu werden, viertens tatsächlich auf die mehr und mehr digitalisierte Berufswelt vorbereitet zu werden, und fünftens, sich beim Lernen auch einmal an der frischen Luft aufzuhalten. Es trägt darüber hinaus zur Verkehrsberuhigung bei – ein ökologischer Entlastungsfaktor.

Konkret schlägt die Bildungsplattform Leistung & Vielfalt daher vor:

  • Schaffung eines gesetzlichen Rahmens für schulautonome Möglichkeiten, auch nach Pandemie und Lockdowns einzelne Tage für Distance Learning bereitzustellen – zunächst für den Unterricht in der Sekundarstufe II (Oberstufe).
  • Entwicklung von pädagogischen Konzepten unter Einbindung aller SchulpartnerInnen und Rücksichtnahme auf die unterschiedliche soziale und ökonomische Situation von Familien: Niemand soll sich mit Digitalisierung allein oder im Stich gelassen fühlen.
  • Fortbildungskonzepte für Lehrkräfte und SchülerInnen: Es geht um mehr als das technische Knowhow. Es gilt, eine Unterrichtskultur umzusetzen, die die innovativen und alternativen Möglichkeiten von digitalem Lehren und Lernen ausschöpft, statt, „alten Wein in neue Schläuche zu füllen“. Präsenz- und Digitalunterricht sollen als Ergänzungsformen wachsen.

„Wir sehen die gesetzliche Ermöglichung von Distance-Learning-Tagen als wichtigen Impuls für eine zeitgemäße Schulentwicklung. Trauen wir den Schulen zu, dass sie ihren eigenen Spielraum und ihre Entscheidungsfreiheit sinnvoll nützen“, plädieren Gunter Bittner und Isabella Zins abschließend für die praktische Nutzung der neuen Möglichkeiten des digitalisierten Unterrichts auch in „Normalzeiten“.


Presseaussendung 02.04.2021

Die verschiedenen Schularten bei der Bewältigung ihrer Aufgaben unterstützen

Neubelebung der Bildungsplattform „Leistung & Vielfalt“

Immer mehr Kinder wollen in den Ballungsräumen nach der Volksschule eine AHS besuchen.

Die Corona-Pandemie und der daraus folgende Aufruf von BM Faßmann zur Milde hat den ohnehin schon starken Zug zur AHS weiter verstärkt. Die Volksschullehrkräfte geraten noch stärker unter den Druck von Eltern, ihren Kindern „lauter Einser“ zu geben, um ihnen nicht „die Zukunft zu verbauen“. So kommen immer mehr Kinder in die AHS, die durch diese Schulart überfordert sind. Sie taumeln von Misserfolg zu Misserfolg und verlieren nach und nach das positive Gefühl zur eigenen Leistung, zweifeln an sich selbst, weil ihnen die Befriedigung durch Erfolg versagt bleibt. Die Stärken der Kinder sollten durch eine professionelle Testung ermittelt werden, die es den Eltern vor dem Wechsel in die Sekundarstufe ermöglicht, für ihr Kind die geeignetste Schule zu finden.

Der Bildungsplattform „Leistung & Vielfalt“ ist es ein Anliegen, dass alle Schularten optimal ihrer jeweiligen Aufgabe gerecht werden können. Das differenzierte österreichische Bildungssystem bietet bis jetzt für alle Begabungen, Interessen und Neigungen ein adäquates Angebot. Und es ist durchlässig, wenn eine Entscheidung, die zunächst die richtige für einen jungen Menschen war, später zu korrigieren ist. So gibt es nicht nur während der gesamten Sekundarstufe 1 jederzeit die Möglichkeit zum Umstieg auf eine Schulart, sondern insbesondere nach der achten Schulstufe eine häufig genutzte „Umstiegstelle“.

Jeder junge Mensch muss vor die für ihn genau richtigen Herausforderungen gestellt werden: Sie dürfen nicht zu leicht sein, damit die Motivation nicht verloren geht, sie dürfen aber auch nicht zu schwer sein, damit keine Überforderung entsteht. Und sie müssen in eine inhaltliche Richtung führen, die den Interessen des Kindes entspricht. So hat jedes Individuum die Möglichkeit, Erfolg zu erfahren und seine eigene Leistung als positiv zu erleben. Und das österreichische Schulwesen bietet die dafür notwendige Vielfalt. Um dieser Vielfalt gerecht zu werden, setzen wir uns für eine kompetente, neutrale und professionelle Beratung an den Nahtstellen ein, ganz besonders an der Nahtstelle zwischen Volksschule und Sekundarstufe II!

Der Studie „Kognitive Homogenisierung, schulische Leistungen und soziale Bildungsungleichheit“ der Mannheimer Soziologen Hartmut Esser und Julian Seuring zu Folge wäre ist es ratsam, für die Entscheidung der Schulwahl der Sekundarstufe die kognitiven Potenziale eines Kindes durch ein objektives Verfahren zu ermitteln. Damit sind die Volksschullehrkräfte von einer großen Bürde befreit. Es erhöht sich auch die Gerechtigkeit und die Abhängigkeit der Schulartwahl von der sozialen Position der Eltern wird geringer, Begabte aus sog. bildungsfernen Schichten haben größere Chancen, in die für sie geeignetere Schulart zu gelangen.

Der Vorstand der Bildungsplattform „Leistung & Vielfalt“ wurde neu gewählt. Er besteht sowohl aus erfahrenen Experten und jahrelangen Praktikern im Bildungssystem als auch aus jungen, dynamischen Menschen mit innovativen und kreativen Ideen.